"Julienne's Night"

„Julienne’s Night“ entstand in der Stille und Einsamkeit einer dieser wunderschönen Sommernächte.

Auf den Straßen kehrt Ruhe ein. Die meisten Menschen schlafen schon, und in den Bäumen hört man nur noch ab und an einen einzelnen Vogel, der ein kurzes Zwitschern von sich gibt, weil er sich vielleicht im Traum erschrocken hat.

Eine warme Nacht. Ein klarer Sternenhimmel. Einfach nur die Stille und Du.

Ich glaube, viele Menschen kennen diese Momente. In solchen Nächten fliegen die Gedanken zu den endlosen Weiten des Sternenhimmels hinauf; die Seele gänzlich befreit von irgendwelchen Normen, Zweckmäßigkeiten oder sonstigen Zwängen der Zivilisation.

Die Gedanken kreisen um den Mond und die Sterne: Zeit und Raum verlieren ihre Bedeutung und eine Art von Schwerelosigkeit erlaubt Dir, sämtliche Lasten und Bürden unserer Existenz hinter Dir zu lassen - und genau diesen Zustand absoluter Unbeschwertheit und Freiheit versuchte ich in „Julienne’s Night“ in Musik zu formen.





"Schatten in Deinen Augen"

Dieser Song entstand in Erinnerung an eine längst vergangene Beziehung, in der sich das hier besungene Gefühl schon nach kurzer Zeit einstellte, da ich auf meine Fragen keine ehrlichen Antworten, sondern nur Ausflüchte und Ausreden erhielt.



"Der Wolf"

Dieses Stück ist in einer Mainacht im Jahr 2015 entstanden: Der nahende sehr heiße Sommer war schon zu erahnen, weshalb ich nachts auf dem Balkon saß und die Sterne bewunderte.

In der tiefen Ruhe dieser Nacht bahnte sich die Geschichte des Wolfes ihren Weg aus mir heraus auf ein bis dahin noch weißes Blatt Papier.

Diese Geschichte des alten Wolfes steht für mich sinnbildlich für den Zyklus des Lebens.

Ich verneige mich tief vor der Schönheit und der Anmut des Wolfes.
Klug, umsichtig und mit der Weisheit des Alters führt der Wolf sein Rudel durch dessen Lebensraum; immer auf der Hut vor uns Menschen - denn dass sich seinesgleichen vor uns hüten muss, mussten die Wölfe in all den Jahrhunderten leidvoll erfahren und lernen.

Verantwortungsvoll und mit seiner Gefährtin an der Seite ist er für die seinen stets mit Liebe und Fürsorge da. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem er auf sein langes Leben zurückblickt und erkennt: „Voran wird nun ein And’rer geh’n“ - und der Tag der Ablösung ist nicht mehr fern.

Wie gerne würde ich dem Wolf sagen, wie willkommen er mir ist. Aber er versteckt sich vor uns - und das aus gutem Grund.


"Feuerwalzer"

Es ist schon einige Zeit her: Ich war in der Fußgängerzone unserer Stadt unterwegs. Es war mächtig viel los und die Menschen eilten geschäftig durch die Straßen und Gassen.

Mitten in diesem hektischen Treiben fiel mir eine ca. 80 Jahre alte Frau auf. Sie saß einsam auf einer Bank, sprach mit sich selbst und weinte. Ich setzte mich neben sie und fragte, ob ich ihr helfen könne. Sie sah mich durch einen Tränenschleier an, reckte ihre geballte Faust gen Himmel und rief: „Warum holst Du mich nicht? Warum muss ich hier bleiben, obwohl Du mir meinen geliebten Mann schon vor Jahren genommen hast? Ich will zu Ihm. Hol’ mich endlich hier ab. Ich bin so einsam und so müde. Ich hab es so satt, von Dir ignoriert zu werden. Ich bin doch schon lange dran, warum willst Du mich denn nicht?“

Danach sackte Sie in sich zusammen und erzählte mir von sich, von ihrem Mann und wie lange er schon fort ist. Wie sehr sie der Umstand, noch immer nicht gehen zu dürfen, Tag für Tag quält. Dass sie jeden Morgen mit dem Gedanken aufwacht: „Er hat mich schon wieder nicht zu sich geholt. Was hab’ ich denn verbrochen, dass ich nicht gehen darf?“

Ich liess sie weiter reden, bis alles aus ihr heraus war. Dann nahm sie meine Hand in die Ihre, lächelte mich müde an und dankte mir dafür, dass ich ihr zugehört hatte.

Das passierte im November 2012. Ob die einsame alte Frau zwischenzeitlich endlich bei ihrem so schmerzlich vermissten Mann angekommen ist, weiss ich nicht, denn ich hab sie nie wieder gesehen - doch aufgrund dieser Begegnung mit ihr und ihrem Schmerz ist der „Feuerwalzer“ entstanden.


"Dein neues Ich"

Vermutlich habe ich bisher in meinem Leben einfach viel zu oft miterleben müssen, dass eine Frau in der Nachbarschaft unter ihrem cholerischen und gewalttätigen Mann zu leiden hat.

Die Hoffnung, dass er sich ja vielleicht ändert sowie die Lähmung aus Angst halten die Frauen meist in dieser völlig inakzeptablen Lebenssituation gefangen. 

Wenn darüber hinaus auch noch Kinder in diesem Gewaltgefängnis eingeschlossen sind, wird es für die betroffenen Frauen umso wichtiger, dem niemals endenden Kreislauf der Gewalt zu entfliehen, um sich und ihre Kinder zu schützen.

Drücken wir all den Frauen, die diesen mutigen Schritt wagen, ganz fest die Daumen - und noch viel wichtiger: Wenn sie uns begegnen, lasst uns Ihnen helfen, wo wir können!


"Der Krötenmann"

Diesen Song habe ich schon im November 2008 niedergeschrieben und zunächst einmal zur Seite gelegt. Vor einigen Wochen kam er mir wieder in die Hände, und sofort hatte ich das Gefühl, ihn jetzt umsetzen zu müssen.

In dem Stück geht es um einen Krötenmann und seine Reise - allerdings steht der Krötenmann hier auch stellvertretend für alle anderen in Freiheit lebenden Arten, deren Lebensraum durch uns Menschen zunehmend eingeschränkt wird und deren Überleben in höchstem Grade gefährdet und bedroht ist.

Ich will mit diesem Song keineswegs aussagen, dass alle Menschen gnaden- und herzlos wären, denn es gibt tatsächlich Menschen, die sich für den Schutz und die Lebensqualität unserer Mitgeschöpfe einsetzen. Nichtsdestotrotz würde ich mir von allen Menschen mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme gegenüber der Tierwelt sowie der Schöpfung im Allgemeinen wünschen.

Vielleicht gibt es ja für euch und für mich in der Zukunft den einen oder anderen Augenblick, in dem wir durch Mitdenken und Einfühlungsvermögen einfach einmal einer der anderen Arten, die diese Welt bevölkern, den Vorrang einräumen. Einfach für den Augenblick; einfach für ein rücksichts- und respektvolles Miteinander.


"Be Gone"

Als Sid die instrumentale Vorproduktion dieses von ihm ursprünglich für Antichrisis komponierten Songs fertig hatte, gab er mir das Stück und meinte, dass ich dazu doch in meiner Phantasiesprache eine Gesangslinie improvisieren könne, da ihm beim besten Willen keine vernünftige Gesangsmelodie einfallen wolle. Bei mir kristallisierte sich jedoch erstaunlich schnell eine diesbezügliche Idee heraus, und da uns beiden das Resultat meiner improvisierten Vocals bestens gefiel, fehlte nun eigentlich nur noch ein richtiger Text.

Sid schlug vor, dass ich einfach all die Bilder, Erinnerungen und Gefühle, die ich beim Singen dieses Songs hatte, in kurzen Sätzen und Stichworten auf einem Blatt Papier festhalten solle. Das Ergebnis dieses Brainstormings überarbeitete Sid ein wenig und übersetzte es ins Englische: Der dadurch zustande gekommene Text hat mich wirklich fasziniert, da er all das, was ich beim Singen fühlte und in mir spürte, absolut treffend wiedergab, so dass ich es selbst nicht besser hätte formulieren können.

Daraufhin konnte ich mich an die eigentlichen Gesangsaufnahmen machen und tat das mit einer riesigen Begeisterung, da ich in diesem Song nun völlig bei mir war und mein Innerstes nach Außen kehren konnte.

Nachdem Sid die finale Produktion mit meinen Gesangsaufnahmen und das dazugehörige Mastering abgeschlossen hatte, war "Be Gone" fertig - und wie wir es in solchen Fällen immer machen, hörten wir uns das fertiggestellte Stück mehrfach an. Nach einiger Zeit sagte Sid zu mir, dass sich "Be Gone" für ihn eher nach einem Ayuma- als nach einem Antichrisis-Song anhören würde, weil darin zu 100 Prozent meine Geschichte und mein Wesen zum Ausdruck kämen. In diesem Song sei so viel von mir zu hören und zu spüren, dass er eigentlich viel besser zu Ayuma als zu Antichrisis passen würde - und da ich es seltsamerweise genau so empfand, konnte ich Sid nur zustimmen und habe dieses Angebot dankend angenommen.

Deshalb wird "Be Gone" nun unter der Flagge von Ayuma veröffentlicht, denn dieser Song erzählt von einem wichtigen Kapitel meiner Geschichte.



"Wenn ich Dich heute seh'"

Der Song "Wenn ich Dich heute seh'" entstand eigentlich schon im Januar 2009, doch aufgrund der Arbeit an Antichrisis’ letztem Album “Not Fade Away" sowie meiner beiden zuletzt veröffentlichten Songs wurde "Wenn ich Dich heute seh'" immer wieder aufgeschoben.

Die Inspiration dazu bekam ich eines Abends in einer Musikkneipe. Dort traf ich auf eine Frau im Publikum, die ich noch sehr gut aus meiner Jugend kannte: Eine Frau, die ihren Selbstwert aus der Summe der Eroberungen gebundener Männer bezog. Wenn sie einen weiteren Strich auf ihrer Liste machen konnte, war diese “Affäre” für sie auch schon Vergangenheit - die durch ihre Aktion zu Bruch gegangene Beziehung des Mannes jedoch in vielen Fällen ebenfalls.

Als ich sie an diesem Abend nach all den Jahren wieder sah, war ich fast erschüttert, denn aus diesem ehemals wunderschönen und energiegeladenen, jedoch zugleich zerstörerischen Engel war eine blasse, kaum wahrnehmbare Person geworden, deren einstmals strahlend blaue Augen mir nun stumpf, leer und leblos erschienen. Doch ehrlich gesagt wunderte es mich nicht, denn ich kannte ihre Geschichte und ahnte daher, was mit ihr passiert war.

Ein paar Nächte später wachte ich plötzlich auf, setzte mich hin und schrieb diesen Song.


"Liamo Soleo"

Ein Song in einer von mir entwickelten Phantasiesprache. Eine gewisse Stimmung gibt dieses Stück zwar vor, doch um was es darin konkret geht, ist völlig Euch, Eurer Phantasie und Euren Gefühlen überlassen. Das, was beim Hören an Gedanken und Bildern in Euren Köpfen erscheint, soll für jeden der ganz persönliche Inhalt des Songs sein.

Die Entscheidung, einen Song in Phantasiesprache zu machen, hatte aber jedoch noch einen weiteren Grund,
denn uneingeschränkt von sprachlichen Regeln und Grenzen, von grammatikalischen Vorgaben und sonstigen Erfordernissen, konnte ich hier dem Weg meiner Stimme, den sie ganz von selbst einschlug, folgen und dabei meinen Emotionen und den daraus entstehenden Tönen auf ihrem Weg durch "Liamo Soleo" freien Lauf lassen.

"Grey Mania"

Nachdem die Produktion des neuen Antichrisis-Albums “Not Fade Away” abgeschlossen ist, ist auch endlich wieder Raum und Zeit für den einen oder anderen Ayuma-Song.

Der erste davon ist "Grey Mania”: Diesen Song möchte ich jenen Menschen widmen, die unter Depressionen leiden. In “Grey Mania” habe ich den Gefühlen, die in solchen Momenten die Führung über die Psyche und das eigene Denken übernehmen, eine Stimme gegeben und versucht, diese emotionale Bedrohung in Musik umzusetzen.

“Grey Mania” klingt ebenso bedrückend wie die Depressionen, die leider für viele zu einem Teil ihres Lebens geworden sind.

"Sadness of Earth"

Nach den sechs quälend langen Wochen, in denen ich infolge einer Kehlkopfentzündung nicht singen konnte/durfte, hat sich im Anschluß sofort ein neuer Song seinen Weg in die Freiheit gebahnt - wie eine Art Befreiungsschlag der wiedererlangten Lust am Singen. Sid hat diesen kreativen Ausbruch dann auch gleich in die Mache genommen und ihn umgehend instrumentiert und produziert. So kam es, dass in nur wenigen Tagen dieses aus einer spontanen Improvisation geborene Stück fertiggestellt werden konnte.

"Sadness of Earth" verfügt über keinen Text im klassischen Sinn: Das einzige Wort, das bei all den schlimmen Bildern zu dem Thema "Mensch im Umgang mit Tier und Natur" beständig gegen meine Schläfen hämmerte, war ein schreiendes "Warum" - und somit besteht der Text dieses Stücks aus der ständigen, manchmal zornentflammten, manchmal tieftraurigen Wiederholung des Wortes "Why?".